Nachsicht stärkt deine innere Mitte

Du musst nicht wöchentlich auf der Yogamatte sitzen, um dem Geheimnis der inneren Mitte näher zu kommen. Doch wer seine innere Mitte gefunden hat, der scheint es irgendwie richtig zu machen. Den kann so leicht nichts aus der Balance bringen. Vielleicht ist derjenige aber auch nur nachsichtiger mit sich selbst, weil er seine Antreiber belächelt und das, was ist, dankbarer wahrnimmt.

Je nachsichtiger du dich selbst betrachtest, desto mehr Selbstliebe spürst du und desto dankbarer erkennst du das Gute in deinem Leben.

Weniger streng und dafür dankbarer

Erwachsene Kinder können manchmal mit ihrer Kritik ziemlich wunde Punkte treffen. Meine Tochter sagte mir, dass sie in ihrer Kindheit darunter gelitten hätte, dass ich oft genervt und traurig war, weil es mit unserem Sohn so viele schulische Probleme gab. Sie sagte aber auch, dass sie wüsste, dass ich damals nicht anders konnte, das würde sie verstehen. Im ersten Moment hat mich das alles ziemlich belastet. Ein paar Tage rund um die Uhr.

Immer wieder habe ich die Jahre Revue passieren lassen und mir große Vorwürfe gemacht. Irgendwann jedoch kam ich an den Punkt, dass ich mir gegenüber nachsichtiger wurde. Ich hatte immer versucht, es so gut zu machen, wie ich konnte. Dass ich es nicht besser konnte, das werfe ich mir nicht mehr vor, sondern betrachte mich mit Nachsicht. Dadurch öffnet sich irgendwie auch mein Blickfeld und ich spüre Dankbarkeit dafür, dass meine Tochter mir das so ehrlich und reflektiert gesagt hat.

Über den Atem zur Nachsicht finden

Um zu einer nachsichtigen Haltung zu finden, kann man auch wunderbar den Atem benutzen. Denn sobald du bewusst atmest, verbindest du dich mit deinem Inneren und kommst ins Spüren. Beginne damit, dass du in deine innere Mitte atmest.

Unsere innere Mitte ist das Nabelzentrum. Über den Nabel waren wir mit unserer Mutter, mit der Lebensenergie verbunden. Legst du deine Handflächen auf den Bauch, spürst du dich sofort wesentlich intensiver. Jetzt atmest du tief in deinen Bauch hinein und spürst dabei das Heben und Senken der Bauchdecke. So verbindest du dich mit deiner inneren Mitte. Bei jedem Einatmen sagst du dir in Gedanken folgenden Satz:

„Ich liebe mich und bin dankbar dafür, dass ich so bin, wie ich bin.“

Du kannst aber auch einen anderen Satz wählen, der vielleicht besser zu dir passt. Abschließend spüre achtsam in dich hinein und spüre auch in das Thema hinein, das dich zuvor belastet hat.

Indem du Nachsicht mit dir selbst praktizierst, verrückt sich auch dein Fokus. Du siehst mehr die positiven Anteile deiner Persönlichkeit und die, für die du hart mit dir ins Gericht gehst, verblassen.

Wenn du dir deiner Mitte bewusst bist – immer tief in sie hinein atmest und sie dabei entspannter werden lässt – wirst du dir selbst gegenüber nachsichtiger.

Nachsicht öffnet dein Herz

Je weniger wir in unserer inneren Mitte sind, desto mehr sind wir unseren Gefühlswogen hilflos ausgesetzt, fühlen uns angreifbar und abgenabelt. Nachsicht führt uns zu unserer inneren Mitte zurück. So verbinden wir uns mit unserem Herzen und öffnen es für das Gute, um in Dankbarkeit und Demut zu akzeptieren.  Aus dieser Haltung heraus handeln wir in Güte, Mitgefühl und Liebe.

Ein Mensch, der sich in seiner Mitte befindet, kennt seine Seele und seinen Ursprung. Er spürt Dankbarkeit für das Gute und betrachtet seine Schwächen mit Nachsicht.

In seinem Buch „Buddhas Glücksgeheimnis“ schreibt der Psychologe und Autor Thomas Bien, dass auch Buddha „nur“ ein Mensch war. Buddha zeigte uns, wie menschenmöglich es ist, ein glücklicher, friedvoller und ausgeglichener Mensch zu sein:

„Sie können Ihren inneren Buddha befreien, weil das bereits Ihr Wesen ist, Ihre Natur.“

Möchten wir in uns ruhen wie Buddha, dürfen wir nicht so sehr mit uns zürnen, sondern sollten uns stattdessen in wohlwollender Akzeptanz üben. Statt mit uns selbst zu hadern, sollten wir uns lieber unsere Schwächen verzeihen und unsere Herzen in Dankbarkeit für all das öffnen, was das Leben an Schönheit zu bieten hat.

Über die Imagination zur inneren Mitte

Thomnas Bien regt dazu an, seinen „inneren Buddha“ regelmäßig zu aktivieren. Mir gefällt diese Übung so gut, dass ich sie einfach übernehme und dir ans Herz lege. Setz dich bequem hin und atme ruhig. Beim Einatmen sagst du in Gedanken „ein“, beim Ausatmen „aus“. Und nun stellst du dir einen friedlichen Buddha vor und sagst dir in Gedanken:

„Ich berühre den Buddha in mir. Ich berühre den Buddha und fühle Frieden. Ich berühre den Buddha und fühle mich gelassen. Ich berühre den Buddha und spüre Weisheit in mir. Ich berühre den Buddha und spüre Freundlichkeit in mir……“

Natürlich kannst du hier alle möglichen Wünsche einsetzen, die dein kleiner Buddha in dir verkörpern soll, der dich an die Hand nimmt und voller Nachsicht und Liebe zu deiner inneren Mitte führt.

  • Die Übung mit dem kleinen Buddha in mir mag ich. Die werde ich täglich abends für 10 Minuten praktizieren.
  • Speziell in Stresssituationen praktiziere ich die Bauchatmung, um mir selbst gegenüber nachsichtiger zu werden.
  • Jeden Morgen bleibe ich vor dem Aufstehen noch einen Moment liegen und sage mit in Gedanken, dass ich den heutigen Tag mit Nachsicht und Liebe erleben werde.
Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen Worum es speziell beim Thema "Dankbarkeit" geht, findest du hier ...

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